ab 16 JahrenFantastischgelesen & großartigNew AdultRomantisch

Arcana Academy 1

Elise Kova 

Arcana Academy 1

Mit Motiv-Farbschnitt und ablösbarem Duftsticker exklusiv in der ersten Auflage

ab 16 Jahren

düster – kunstvoll – nervenaufreibend

Ein Deal, eine Verlobung, kein sicherer Boden

Manchmal gibt es Bücher, die dich nicht nur unterhalten, sondern dich regelrecht in einen Zustand versetzen. Arcana Academy war für mich genau so ein Buch: faszinierend, kunstvoll, stellenweise nervenaufreibend – und bis zur letzten Seite von einer Ungewissheit durchzogen, die mich als Leserin dauerhaft auf Alarm gestellt hat. Nicht, weil es Horror wäre. Sondern, weil ich mich selten so konsequent gefragt habe: Wem kann ich hier eigentlich trauen?

Ein Setting wie ein Hexenkessel

Wir sind in einer düsteren, harten Welt unterwegs, in der Macht nicht nur politisch ist, sondern regelrecht „in die Menschen hineingeschrieben“ wird. Die Academy ist dabei kein hübsches Setting, sondern ein Machtzentrum: Hier treffen Hierarchien, Familieninteressen und soziale Ungleichheit aufeinander – und man lernt nicht einfach, man muss bestehen. Wer scheitert, fällt nicht weich. Je näher man an König, Prinzen und die Schaltstellen der Gesellschaft rückt, desto spürbarer wird das ständige Taktieren: Wer ist Verbündeter, wer ist nur nützlich?

Und genau dieses Klima aus Konkurrenz und Angst macht den Ton des Buches aus: nicht nur düster, sondern dauerhaft angespannt.

Tarot-Magie, die nicht „nur Stimmung“ ist

Was mich wirklich begeistert hat: Tarot ist hier kein Gimmick. Es ist das Weltkonzept. Es strukturiert Rollen, Begabungen, Abhängigkeiten – und damit die gesamte Gesellschaft. Wenn du Tarot kennst (kleine/große Arkana, Bedeutungen, Deutungsräume), wirst du merken, wie konsequent Elise Kova daraus ein System baut, das sich eigenständig und durchdacht anfühlt.

Gleichzeitig ist das auch die Hürde: Wer beim Stichwort Tarot sofort innerlich dichtmacht, weil er nur an Wahrsagerei denkt, könnte sich schwerer tun – nicht, weil das Buch „esoterisch“ wäre, sondern weil man sich auf diese Logik einlassen muss, um den Sog zu erleben.

Clara: Überlebenskünstlerin statt makellose Heldin

Clara ist klug, schnell, anpassungsfähig und erstaunlich trickreich – eine Protagonistin, die nicht wartet, bis Rettung kommt. Sie erkennt Zusammenhänge und manövriert sich aus Situationen heraus, in denen andere zerbrechen würden. Ich mochte sie gerade deshalb, weil sie nicht glatt ist: Sie ist stark, aber nicht unfehlbar. Manchmal wird sie mit ihren Begabungen übermütig, fast arrogant – und genau daraus entstehen Risiken, die sich hätten vermeiden lassen. In dieser Welt reicht manchmal ein einziger Moment, um alles ins Rutschen zu bringen.

Ihr Antrieb bleibt emotional greifbar: Sie will Antworten. Sie will nicht wieder eingesperrt werden. Und sie will verstehen, was mit ihrer Familie passiert ist – auch wenn sie dafür an einen Ort gerät, vor dem ihre Mutter sie um jeden Preis fernhalten wollte.

Kaelis: gefährlich, aber nicht eindimensional

Kaelis (Prinz und Leiter der Arcana Academy) war für mich eine Figur mit unabwägbaren Seiten. Ich hatte oft das Gefühl, dass hinter seiner Fassade mehr steckt als Kalkül: Kontrolle als Schutz, Distanz als Selbstbehauptung – und vielleicht auch ein ehrlicher Versuch, Clara in einem System zu halten, das jeden verschlingt, der schwächelt. Genau deshalb habe ich ihm immer wieder misstraut, ohne ihn innerlich abzuschreiben. Er zieht sich zurück, er sagt nicht alles, und manchmal bleibt offen, ob Nähe gerade Gefühl ist oder Strategie. Aber gerade dieses Unklare macht ihn als Romance-Figur so spannend: Er ist nicht der sichere Hafen – er ist die Frage, ob es in dieser Welt überhaupt einen geben kann.

Forced Engagement & Slowburn: Sog – und Stress

Die Slowburn-Romance mit erzwungener Nähe/Verlobung verstärkt dieses Grundgefühl noch: Anziehung ist da, dann wieder Rückzug, Zweifel, ein Schritt vor, zwei zurück. Für mich war das weniger cozy als spannungsgeladen – weil Vertrauen nie selbstverständlich wird. Wer dunkle Romantasy mag, in der Gefühle ein Risiko sind, wird genau das feiern. Wer sich früh Stabilität und Klarheit wünscht, könnte sich eher gestresst fühlen.

Härtegrad, Ende und Ausstattung

Arcana Academy ist düster, teilweise grausam, und die Gesellschaft ist streng, ungerecht und brutal in ihren Konsequenzen. Der psychische Druck ist konstant – und das ist für mich klar 16+.

Ohne zu spoilern: Der Cliffhanger hat mich fassungslos zurückgelassen. Ich hatte Vermutungen, und trotzdem kam eine entscheidende Wendung unerwartet. Am Ende blieb vor allem ein Gedanke: Wie soll das jemals wieder gut werden? Und genau deshalb werde ich Band 2 definitiv lesen.

Neben Inhalt und Stimmung ist auch das Buchobjekt selbst ein Erlebnis: Karte, Gestaltung, Details – und dieser Duft-Sticker zum Rubbeln, der dem Ganzen eine zusätzliche Sinnesebene gibt.

Mein Fazit

Wenn du Tarot als Magiesystem, wirklich dunkle Dark Academia und Romantasy magst, in der Vertrauen ein Risiko bleibt, könnte Arcana Academy ein Highlight für dich sein. Wenn du dagegen Romance lieber mit sicherem Boden liest oder harte, ungerechte Systeme dich stark belasten, ist das vermutlich nicht dein Wohlfühlbuch.

Blick ins Buch

Auf einem Blick

Verlag

Cove/ Carlsen Verlag

Alter

ab 16 Jahren

Seiten

688 Seiten

Autorin

Elise Kova

Reihe

Arcana Academy

Extra

Motiv-Farbschnitt und ablösbarem Duftsticker exklusiv in der ersten Auflage

ISBN

978-3-551-55944-9

Preis

Print: 26,00€ (D)

Erscheinungsdatum

13.10.2026

Bildquellen: Carlsen Verlag, (Cover-Download, Screenshots Amazon und aus der Leseprobe, Stand 02.03.2026)